Die Natur arbeitet auf Vorrat

16.04.2020

Die Natur arbeitet auf Vorrat

In der letzten März- und der ersten Aprilwoche herrschten in der Schweiz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Eine Umfrage des Schweizer Obstverbandes in den wichtigsten Obstregionen zeigt, dass trotz Frostschäden, das Potenzial für eine gute Ernte auf nationaler Ebene nach wie vor vorhanden ist. Entscheidend für die Erntemengen sind nun die Temperaturentwicklungen, der Schädlingsdruck sowie die Niederschlagsmenge bis zum Erntezeitpunkt.

Momentan präsentieren sich die Obstbäume schweizweit in einem herrlichen Blütenkleid. Würden all die Blüten am Baum zu Früchten ausreifen, könnte er diese nicht ernähren. Die Folgen wären Krankheiten und eine ungenügende Qualität der Früchte. Für einen ausreichenden Ertrag müssen beim Kernobst nur 3–5 Prozent und beim Steinobst 15–20 Prozent der Blüten zu einer Frucht heranwachsen. Die Natur hat diese genialen Reserven vorgesehen, damit die Bäume trotz Wetterkapriolen noch genügend Früchte produzieren können. Das ist 2020 aufgrund der frühen und intensiven Frostnächte besonders wichtig.  
 
Vier bis sechs Frostnächte im Frühjahr 2020
In der letzten März- und der ersten Aprilwoche verzeichneten wir je nach Region zwischen vier bis sechs Frostnächte. Die Temperaturen unterschieden sich regional stark, an einigen Orten fielen sie gar bis unter –7° C. Zu schaffen machte den Produzenten insbesondere der Windfrost (Advektionsfrost) vom 24. bis 26. März mit kalter, bisiger, windiger Polarluft. Wie die Erfahrungen bereits im extremen Frostjahr 2017 zeigten, gibt es leider keine wirtschaftliche Frostprävention gegen diese Frostart. Denn der kalte Wind beeinträchtigt die Wirksamkeit der Bekämpfungsmittel wie Sprühen, Kerzen oder den Einsatz von Frostbuster massiv. Anders verhielt sich die Situation in den Frostnächten vom 31. März bis 2. April. Dem sogenannte Strahlungsfrost konnte mit Massnahmen zur Erhöhung der Temperatur wie Überkronenbewässerung, Frostkerzen und Heizen mit Öfen entgegnet werden.
 
Schadenausmass momentan noch nicht abschätzbar
Noch ist es zu früh, um das Schadenausmass auf nationaler Ebene abzuschätzen: der Frost trat zu einem frühen phänologischen Zeitpunkt auf und die Temperaturentwicklungen, der Schädlingsdruck sowie die Niederschlagsmenge bis zum Erntezeitpunkt werden entscheidend für die Erntemengen sein. Eine Umfrage des Schweizer Obstverbandes in den grössten Obstregionen zeigt überdies grosse Unterschiede zwischen den Regionen und den Obstsorten. Der Frost hinterliess die grössten Spuren bei Kirschen, allen voran bei der Sorte Kordia. Ausfälle erwarten wir aber auch bei den frühen Birnensorten, bestimmten Apfel- und Pflaumensorten sowie den Aprikosen und Pfirsichen in der Deutschschweiz. Eine andere Situation herrscht bei den Beeren und den Walliser Aprikosen, wo die Schäden minim und eine Normalernte erwartet wird. Aufschluss über die erwartenden Mengen werden die Vorernteschätzungen der Kirschen im Mai und beim Kernobst im Juni geben.


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