Rückbehalt für Mostobst ist definitiv

25.11.2020

Rückbehalt für Mostobst ist definitiv

Die Mostobsternte 2020 ist abgeschlossen. Insgesamt wurden 11 293 Tonnen Mostbirnen und 90 835 Tonnen Mostäpfel in die gewerblichen Mostereien geliefert und verarbeitet. Die Früchte sind aufgrund der Witterungsverhältnisse von sehr guter Qualität. Um die Übermenge der diesjährigen Ernte und die vollen Lagerbestände bestmöglich abzubauen, hat das Produktzentrum Mostobst einen vergleichsweise hohen Rückbehalt zwecks Exportförderung beschlossen. Dieser beträgt für konventionelle und Suisse Garantie-Mostäpfel 13 Franken und für Mostbirnen 11 Franken pro 100 Kilo.

  • Die Mostobsternte gestaltete sich kompakter als in anderen Jahren. Daher wurde die Verarbeitungssaison auch zwei Wochen früher beendet.
  • Die geernteten Mengen bei den Mostäpfeln liegen 27.1 % und bei den Mostbirnen 47 % über der Schätzung.
  • Das entspricht bei den Mostäpfeln 126.0 % und bei den Mostbirnen 159.1 % des jährlichen Bedarfes.
  • Der Bio-Anteil bei den Äpfeln beträgt 10.9 %, bei den Birnen 21.8 %.
  • 756 Tonnen Mostäpfel wurden exportiert.
  • Die durchschnittlichen Öchslegehalte bei den Äpfeln SGA betragen 48.1 Oechsle, bei Bio 48.2 und bei den Birnen SGA 48.1 und Bio 47.9. Die Qualität ist demnach hervorragend und garantiert einen sehr guten Saft.

Die Lager sind voll
Die Konzentratlager der Schweizer Mostobstbranche sind derzeit gefüllt und können den Marktbedarf von über zwei Jahren abdecken. Die Gründe sind vielfältig: einerseits übersteigen die diesjährigen Erntemengen den Bedarf und nach wie vor sind die Nachwirkungen der Rekordernte 2018 zu spüren. Andererseits ist der Absatz von Apfelsaft bei den gewerblichen Mostereien seit Jahren rückläufig. Erschwerend hinzu kommt die coronabedingte Schliessung von Gastronomie und Events als Absatzkanäle in diesem Frühjahr. Die erneuten Verschärfungen der Massnahmen im Oktober haben wiederum für einen deutlichen Absatzrückgang gesorgt. Wie lange dieser anhält, ist zurzeit nicht abschätzbar.
 
Rückbehalt als Marktentlastung
Damit der Markt weiterhin entlastet und die Lagerbestände abgebaut werden können, hat das Produktzentrum Mostobst des Schweizer Obstverbandes im August 2020 einen mengenabhängigen Rückbehalt auf konventionelles und Suisse Garantie-Mostobst beschlossen. Mit dem Rückbehalt werden Obstsaftkonzentrate ins Ausland exportiert und der Schweizer Markt stabilisiert. Aufgrund der Erntemenge beträgt der definitive Rückbehalt für die Mostobsternte 2020 für Mostäpfel konventionell und Suisse Garantie 13 Franken und für Mostbirnen konventionell und Suisse Garantie 11 Franken pro 100 Kilo.
 
Rückbehalt wird analysiert
Der Schweizer Obstverband hat grosses Verständnis für die schwierige Lage, in welcher sich einzelne Betriebe aufgrund der Höhe dieses Rückbehalts befinden. Allerdings hält das PZ Mostobst am Rückbehaltssystem fest. Es garantiert die Übernahme der gesamten Ware durch die Mostereien. Der hohe Rückbehalt im 2020 wird die Branche weiterhin beschäftigen: Nach der Ernte 2020 wird die Situation im PZ Mostobst analysiert.
 
Funktionsweise des Rückbehaltssystems
Die Mostobsterntemengen schwanken von Jahr zu Jahr stark. Hauptgrund dafür ist die sogenannte Alternanz: Hochstammbäume haben in einem Jahr viele Früchte, im nächsten wenig. Um diese Schwankungen auszugleichen, lagern die Verarbeiter in Jahren mit einer Überproduktion mehr Obstsaftkonzentrat ein, als für den Inlandkonsum benötigt wird. Diese Marktreserven betragen in der Regel 40 Prozent eines Jahresbedarfs. Fällt mehr Obstsaftkonzentrat an, als für die Marktreserve benötigt wird, muss dieser Überschuss exportiert werden. Da die Schweizer Preise aber deutlich höher sind als die Weltmarktpreise, muss das Mostobst für den Export verbilligt werden. Die Mittel dazu stammen aus dem Rückbehalt, den die Bauern pro 100 Kilogramm Mostobst entrichten. Vom Rückbehalt betroffen sind auch die Abgänge aus Tafelobstproduktion und -lager. Mit diesem Geld werden Exportbeihilfen für den Export von frischem Mostobst, Apfel- und Birnensaftkonzentrat, Säfte und Essig ausgerichtet. Der Rückbehalt sowie die Richtpreise werden jährlich vom Produktzentrum Mostobst des Schweizer Obstverbandes festgelegt. Bis 2009 unterstützte der Bund den Export von Obstsaftkonzentrat.

Übersicht über die Ernte 2020 in den Regionen

RegionMostäpfel (t)Anteil %Mostbirnen (t)Anteil %
Zürich  2 0382  418 4
Bern/Westschweiz  7 7708  118 1
Zentralschweiz12 343144 53040
Ostschweiz68 684766 22755

Dreiviertel der Mostäpfel stammen wie in den letzten Jahren aus der Ostschweiz. Bei den Mostbirnen stammt lediglich die Hälfte aus der Ostschweiz. 1% der Mostäpfel wurde exportiert.
 
Übersicht über Produktionsmethoden in Tonnen

 MostäpfelMostbirnenMostobst
 ÜbrigeGewöhnlicheSpezialTotalTotalTotal
SGA / konv.12917 95862 89780 982882889 810
Bio02 2127 7419 853246612 318
Total12920 07070 63890 83511293102 128
Bioanteil 11 %11 %11 %22 %12%

87.9 % der gesamten Ernte wird mit den Produktionsmethoden Suisse Garantie (SGA) und konventionell produziert. Der Anteil der Menge produziert nach der biologischen Methode stieg im Vergleich zum letzten Jahr um 3.6 % auf 12.1 %.

Medienmitteilung
Schlussbericht Mostobst 2020


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